Frits Schlimback – geschäftsführender Gesellschafter, MUSS GmbH Agrartechnik
Im Herzen des Kartoffelanbaugebiets Deutschland ist es MUSS Agrartechnik gelungen, sich innerhalb von fünf Jahren einen Namen in ganz Deutschland im Bereich der Klima-, Einlagerungs- und Verarbeitungstechnik zu machen. Eine beeindruckende Leistung für das relativ kleine deutsche Unternehmen mit niederländischem Touch. “Wir streben nach konzeptionellen Lösungen", erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Frits Schlimback.
frits schlimback - geschäftsführender Gesellschafter
Die Lagersaison ist gerade erst beendet, und direkt steht die neue Saison vor der Tür. Das ist der ideale Moment für unsere Kunden, ihre Einlagerungsmaschinen und Lagertechnik zu kontrollieren und für die neue Ernte vorzubereiten oder ein neues Lagerhaus zu planen. Das merkt man an der regen Betriebsamkeit bei der MUSS Agrartechnik in Bad Fallingbostel, im Herzen Niedersachsens.
Was genau macht ihr?
“Kurz erklärt: Klimatisierung, hauptsächlich für Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten, aber wir haben auch schon für Exoten wie beispielsweise Kürbisse oder Knollensellerie Lagerkonzepte erstellt. Darüber hinaus liefern wir Maschinen, die im Zusammenhang mit diesen Produkten stehen, insbesondere den logistischen Teil bis unter das Dach der Lagerung. Sie können uns auch als In-Out-Store-Architekt betrachten. Zu unserem Leistungsangebot gehört alles im Bereich Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten. Von der Einlagerung über Aufbewahrung bis hin zur Verarbeitung. Obwohl wir gelegentlich Abstecher in die Niederlande oder nach Polen unternehmen, liegt unser Schwerpunkt auf dem deutschen Markt."
MUSS gibt es seit fünf Jahren. Wie sieht es aus?
“Wir merken, dass wir doch relativ schnell gewachsen sind. In fünf Jahren haben wir es geschafft, eine neue Marke mit eigenem Lagerkonzept inklusive eigener Führung bundesweit zu etablieren. Zusätzlich schenkten uns damals Marken wie Dewulf-Miedema und Invaro Schouten das Vertrauen, ihr Partner für Deutschland zu werden. Das hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Derzeit arbeitet bei MUSS ein sympathisches Team mit 17 Kolleginnen und Kollegen. Darauf können wir durchaus stolz sein. Unser Ziel ist es, in Kürze auf etwa 20 Beschäftigte zu kommen."
Wie habt Ihr das geschafft? Was macht Ihr anders?
“Was MUSS von anderen unterscheidet, ist, dass wir ein Komplettpaket anbieten, dass auch andere Produkte und Maschinen umfasst. Landwirtschaftliche Unternehmer bekommen somit alles aus einer Hand und haben für ihre Fragen und Wünsche nur einen Ansprechpartner für ihr Vorhaben. Andere Unternehmen bieten lediglich Lagerung mit einem bestimmten Lüftungs- oder Maschinentyp an. Das macht uns zu einem attraktiveren Partner und sorgt dafür, dass wir den Kunden gegenüber breiter aufgestellt sind. Wir denken eher konzeptionell und streben danach, effiziente und funktionale Lösungen zu finden. Darüber hinaus engagieren wir uns dafür, auch nach dem Verkauf ein guter Partner im Service- und Wartungsbereich zu sein."
Wenn du über Marktentwicklungen und Herausforderungen sprichst, was fällt dir dabei als erstes ein?
“Wir beobachten bei den Menschen eine Verschiebung der Ernährungs- und Konsumgewohnheiten. Der Kartoffel wird dabei eine zunehmend wichtigere Rolle zukommen. Die Nachfrage nach Kartoffeln und vor allem ihren Erzeugnissen steigt. Die verfügbaren Ressourcen in der Produktion werden immer knapper. Innovationen werden deshalb noch wichtiger werden als bisher.
Eine Reduzierung der Lagerverluste durch effizientere Lagerung ist die Herausforderung an die Zukunft. Das größte Problem allerdings, und das kennt jeder unserer Gesprächspartner, ist es, engagiertes und kompetentes Personal bzw. überhaupt Kollegen zu finden. Wir sind zwingend darauf angewiesen, um unsere Kunden optimal betreuen zu können. Den Personalmangel bei unseren Kunden können wir hingegen in vielen Bereichen bereits kompensieren. Eine immer weiter voranschreitende Automatisierung bietet einen Ausweg. Innerhalb unseres Segments beobachten wir eine starke Entwicklung bei der optischen Sortierung ungewaschener Produkte und der logistischen Optimierung der Kistenlagerung. Mit Wevano aus Emmeloord und VHM aus Ens haben wir zwei gute Partner in den Niederlanden, die Lösungen für diese Herausforderungen anbieten."
Ein Wort zu den Kernwerten: Wofür steht MUSS?
“Alles dreht sich um die Kundenbeziehung. Wir wollen keinen einmaligen Verkaufskontakt, sondern eine dauerhafte Beziehung. WVK ist der Schlüssel zum Erfolg. Es geht nur um Wissen, Verlässlichkeit und Kontinuität. Wir sorgen dafür, dass die Betriebe in jeglicher Hinsicht unterstützt werden, also auch nach dem Verkauf mit Service und Support. Die Kunden wünschen sich Entlastung. Insbesondere im Lagerungszyklus suchen sie die Unterstützung von Spezialisten. Die optimale Lagerung ist eine komplexe Aufgabe. Man hat es mit „lebenden“ Produkten zu tun, die sich jedes Jahr ändern, weil sich die Bedingungen wandeln. Das Lagerungssystem muss daran angepasst werden. Dieses ist eine knifflige Aufgabe, wenn man sich nicht täglich damit beschäftigt. Mit langjährigem Know-how positionieren wir uns mit unserem Spezialisten Team und bedarfsgerechten Schulungen zur Lagerung. Ein wichtiger Mehrwert für unsere Kunden ist das seit letztem Jahr erfolgreich etablierte MUSS Wissensportal. Hier bieten wir für unsere Kunden, Partner und alle Interessierten kostenlose Webinare an. Das letzte Seminar mit dem Thema „Energieeinsparung – Optimierung im Kartoffellager“ wurde mit großer Beteiligung dankend angenommen.“
Du bist Niederländer. Wie kommst du hierher?
“Im Jahr 1999 habe ich in dieser Branche als Vertreter eines niederländischen Lagerspezialisten angefangen. Ich sammelte Erfahrungen, bildete mich weiter und wurde 2012 Verkaufsleiter und 2015 Geschäftsführer dieses Unternehmens in Deutschland. Mit meiner Familie bin ich 2014 in die Lüneburger Heide, die Heimat des Unternehmens, umgezogen. Daher war für mich klar, dass ich meine berufliche Kariere in Deutschland weiter ausbaue. So wurde ich 2020 in der 2018 gegründeten MUSS GmbH nicht nur Geschäftsführer, sondern auch Gesellschafter. Es lag auf der Hand, den Betrieb im Herzen Niedersachsens anzusiedeln, in der wichtigsten Kartoffelregion Deutschlands. 50 Prozent der Kartoffeln werden hier angebaut.“
Als Niederländer stehst du an der Spitze eines deutschen Unternehmens mit deutschen Angestellten. Wie leitest du die Firma?
“Ich strebe eine No-Nonsense-Kultur an und habe eine Aversion gegen Hierarchien. Für Deutsche ist das etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich merke, dass ihnen die kurzen Kommunikationswege gefallen. Ich habe immer ein offenes Ohr. Alle sollten das Gefühl in sich tragen, dass auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet wird und dass jeder von uns dafür wichtig ist. Als geschäftsführender Gesellschafter gefällt es mir und ich finde es wichtig, gelegentlich mit den Monteuren auf Montage zu gehen und selbst vor Ort zu sein. Dann erfährt man andere Geschichten, als wenn man sich nur am Schreibtisch gegenübersitzt. Es ist eine wertvolle Erfahrung, zu hören, was vorgeht und wie es allen dabei geht.
Im Übrigen teilen alle vier Gesellschafter im Unternehmen diese Einstellung. Jeder verwirklicht unsere MUSS-Philosophie in seinem Aufgabenbereich und ist Experte in seiner eigenen Funktion. Als geschäftsführender Gesellschafter bin ich auch für den Verkauf verantwortlich, selbstverständlich kann ich extern nur so gut sein wie das Backoffice mir hierfür den Rücken freihält.
Ein bestens auf einander eingestimmtes Team. Zweimal im Jahr veranstalten wir eine Betriebsversammlung, an der alle Angestellten teilnehmen. Dann nehmen wir uns ausreichend Zeit, um übergreifend auf den verschiedenen Ebenen zu kommunizieren, zu reflektieren, zu besprechen, was gut läuft und was nicht, und um Ideen und Wünsche auszutauschen. Auf dieser Grundlage versuchen wir dann gemeinsam Verbesserungen durchzuführen aber auch Funktionierendes zu erhalten.“
Wie gewährleistest du diese Zusammengehörigkeit bei der Arbeit?
“Indem wir neben der Arbeit lustige Aktivitäten veranstalten und gemeinsam entspannen. Wir grillen regelmäßig, auch manchmal ganz spontan in der Mittagspause. Und jedes Jahr machen wir einen Betriebsausflug an einem Wochenende in die Niederlande oder in Deutschland. Häufig kombinieren wir dies mit einem Kundenbesuch, bei dem wir in dem Jahr ein Projekt umgesetzt haben. Insbesondere für die Kollegen im Büro ist es eine Freude, zu sehen, was wir gemeinsam erreicht haben. Wir haben schließlich alle hart dafür und daran gearbeitet. Das gibt ein gutes Gefühl.“
Wie empfindest du das Leben und Arbeiten in Deutschland?
“Deutschland ist ein Land mit vielen Traditionen und des Zusammengehörens. Wenn man aufgeschlossen ist und ein wenig Zeit in sein Umfeld investiert, wird man schnell integriert. Für meine Familie ist mir das wichtig, denn ich bin viel unterwegs. Ich bin mittlerweile stolzer Besitzer eines eigenen Hauses. Meine Kinder haben sofort Freunde gefunden und sich mühelos integriert. Aber auch meine Frau ist nicht nur bei den Landfrauen aktiv, sondern hat ebenfalls einen Job. Jedes unserer Familienmitglieder ist sogar schon Schützen-, Jugendkönig/-in in unserem Dorf geworden. Die Deutschen sind sehr sozial, wenn man sich darauf einlässt. Es gibt Vor- und Nachteile. Die Lebenshaltungskosten sind etwas günstiger als in den Niederlanden. Aber Aspekte wie Handynetz und Internet sind und bleiben ein Problem, obwohl sich da seit Corona sicher einiges getan hat. Der Vorteil für uns ist, dass wir uns in Reichweite von Familie und Freunden befinden. An einem Sonntag kann man einfach hin- und zurückfahren.“
Bist du an einer Karriere in der Klima-, Einlagerungs- und Verarbeitungstechnik im Herzen Niedersachsens interessiert? MUSS Agrartechnik hat derzeit eine offene Stelle als Service- und Logistikmanager zu besetzen.
Foto: Rutger Bronts


